Dienstag, 20. Dezember 2016

Sinnlos Überwachen? Das kann wirklich Freude machen!

Neuerdings hängen drei Kameras an unserer Schule. Generell tendieren in Deutschland immer mehr Schulen dazu, Kameras zur Überwachung zu nutzen [vgl. 1-12]. Über Sinn und Unsinn lässt sich streiten, aber hier ist meine Meinung dazu sowie ein paar Denkanstöße für die Schulleitungen von Schulen, die sich für die Videoüberwachung an ihrer Schule entschlossen haben. Falls ihr noch nicht wisst worum es überhaupt geht, dann lest unsere Meldung vom 28. Oktober "Videoüberwachung an unserer Schule!?".
Schauen wir uns doch einmal die Argumente für die Videoüberwachung an: Graffitis und Vandalismus. Vor kurzem erst wurden ein Graffiti am Hintereingang der Schule und eines an den Toilettentüren der Sporthalle entdeckt. Beide wurden, sicherlich unter viel Aufwand, entfernt. Die Graffitis, die es an der FSM gab, lassen sich aber immer noch an einer Hand abzählen.
Trotzdem müssen wir die Sorge unserer Schulleitung verstehen: Es könnte schnell zum Trend werden, systematisch den Hintereingang der Friedensschule zu besprühen. Aber auf die Idee, 10 Meter zur Seite zu gehen, um dem Kamerabild zu entfliehen, kommt wohl auch der, der glaubt, das systematische Besprühen des Hintereinganges der Friedensschule sei cool (siehe "Ist Grafitti Kunst").
Außerdem: Sprayer sprayen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die gibt man ihnen in Massen, wenn man wegen ihrer Grafittis ein mehrere hundert Euro teures Kamerasystem anbringt.

Es ist genau das selbe Muster wie bei den Terroranschlägen: EIN Anschlag und Millionen werden in teure Sicherheitsmaßnahmen investiert, bis ein weiterer Anschlag beweist, dass all diese nichts gebracht haben. Also wird alles verschärft, weitere Millionen Steuergelder in Kameras, Sicherheitspersonal und Flughafenkontrollen investiert. Und das dort, wo weit und breit kein Flughafen ist. Ein dritter Anschlag... Und so weiter und so weiter. Warum kommt denn niemand auf die Idee, dass eine verbarrikadierte Haustür nichts bringt, wenn die Terrassentür offen steht?

So manch einer fragt sich jetzt sicherlich, warum ich mich so aufrege. Schließlich hat sich die Leitung der Friedensschule doch dazu entschieden, die Kameras nur außerhalb der Schulzeiten einzuschalten und das Videomaterial auch nur eine Woche lang zu speichern. Das finde ich vorbildlich! Aber neben meiner Meinung, nämlich dass die *(siehe unten) Euro teuren Kamerasysteme eine sinnbefreite Investition waren, es wird, und dafür gebe die Note meiner letzten Mathearbeit her, nicht bei diesen Kameras bleiben. Es gibt Schulen in Deutschland, vor denen steht im Sicherheitswahn der Schulleitung Sicherheitspersonal, Kameras überwachen jeden, der herein kommt oder hinaus geht und die Türen werden nur geöffnet, wenn derjenige, der herein möchte, vertrauenswürdig aussieht [1].

Hängen erst einmal drei Kameras bei uns an der Schule, ist die Versuchung groß, eine Vierte anzubringen, wenn man bemerkt, dass die drei nichts bringen. Und wenn wir schon vier teure Kameras haben, dann lässt man diese einfach mal den ganzen Tag lang laufen und speichert die Bilder dauerhaft (könnte ja im Nachhinein nützlich sein). Vier Kameras außerhalb der Schule? Na dann wird sich sicherlich niemand beschweren, wenn jetzt auch drinnen überwacht wird! Ach ja, Vandalismus auf den Schultoiletten ist Schnee von gestern, denn dort hängen dann auch Kameras.

Bezeichnet es als Schwarzmalerei, aber so oder so ähnlich könnte es bei uns an der Schule laufen, wenn wir nichts dagegen tun oder die Schulleitung nicht dazu bereit ist, zu akzeptieren, dass das Anbringen von Kameras langfristig keine Lösung für die Probleme ist, die sie zu lösen versucht. Es gibt übrigens Schulen in Deutschland, die ihre Schulklos bereits mit Hilfe von Kameras überwacht haben [12,13]. Das zeigt doch, wohin der Überwachungswahn führen kann. Es ist in Studien erwiesen, das Videoüberwachung langfristig nichts oder kaum etwas nützt [2.1]. Und für alle diejenigen, die immer noch glauben, dass Videoüberwachung Kriminelle abschreckt:
ES GAB BEI UNS AN DER SCHULE VOR KURZER ZEIT EINEN VORFALL, BEI DEM KRIMINELLE AN UNSERER SCHULE ETWAS SEHR KRIMINELLES TUN WOLLTEN.
DIREKT AM HINTEREINGANG!
DIREKT VOR DER ÜBERWACHUNGSKAMERA!
DIESE KRIMINELLEN HAT ES EINEN DRECK INTERESSIERT, OB DORT EINE KAMERA ÜBERWACHT ODER NICHT, EINEN DRECK!
(Genaueres dürfen wir hier leider nicht schreiben, es könnte Nachahmer geben oder sich herumsprechen, dass die Kameras an der FSM nutzlos sind. Setzt euch mit uns in Verbindung, wenn ihr Genaueres über diesen Vorfall erfahren wollt. Sorry für den Aufreger gerade. Das musste sein. ;D)

Egal, wie viel Überwachung es jemals gibt: Es wird immer Gewalt an Schulen auf körperlicher und auf psychischer Ebene geben. Es wird immer Verrückte geben, die Kinder belästigen oder gar in Schulen um sich schießen. Genauso wird es immer Wege und Mittel geben, Sicherheitssysteme aller Art zu umgehen. Um aber zum eigentlichem Thema zurück zu kommen: Es bringt niemanden etwas, die Eingänge oder auch sonst irgendetwas an der Schule mit Videokameras zu überwachen. Es vermittelt vielmehr jedem das Gefühl, es sei nötig, dass dort Kameras überwachen - was meiner Meinung nach wiederum ein Gefühl der Unsicherheit vermittelt.
Nun erwarte ich vom Bistum natürlich nicht, seine teuren Kamera-Schätzchen einfach weg zu werfen. Der Dom kann doch sicher ein paar Kameras mehr gebrauchen, um die Leute beim Beten zu überwachen. Und in der Bibel steht meines Wissens nichts gegen Videoüberwachung.

Niklas Dunschen


PS: Wir würden gerne einmal mit einer Schule oder einem Verein sprechen, der mit der Videoüberwachung als Maßnahme gegen Graffitis so gute Erfahrungen gemacht hat! Vielleicht können die, die denken, Videoüberwachung würde irgendetwas an der FSM zum Guten verändern, da mal Kontakte knüpfen?

* Hier sollte eigentlich der Preis des Kamerasystems stehen, dieser wurde uns aber nicht offenbart. Es handelt es sich anscheinend um FSM-Geheimdokumente.

Quellen:
[1] http://www.berliner-zeitung.de/berlin/videoueberwachung-an-schulen--schulen-sind-keine-hochsicherheitstrakte--5831916
[2]http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2011-11/schule-kamera-zurawski
[2.1]http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2011-11/schule-kamera-zurawski, Sozialforscher Nils Zurawski auf die Frage "Aber Kameras schrecken doch in jedem Fall ab?" - "Manchmal ja – aber meist nur kurzfristig. Denn der Effekt nutzt sich schnell ab. Sobald einmal etwas passiert ist, ohne dass es Konsequenzen hatte, ist der Effekt ganz weg."
[3]"An mehr als 170 bayerischen Schulen gibt es eine Videoüberwachung." - http://www.sueddeutsche.de/bayern/umstrittene-sicherheitsvorkehrung-streit-um-videoueberwachung-an-schulen-1.2244815
[4]http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/schueler-videoueberwachung-wi r-werden-alle-kriminalisiert-a-555113.html
[5]https://www.hna.de/lokales/rotenburg-bebra/videos-landrat-raeumt-fehler-2875325.html
[6]http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Videoueberwachung-an-Schulen-Opposition-fordert-sofortigen-Stopp-id32193907.html
[7]http://www.pnp.de/nachrichten/bayern/1514675_Bayerns-Schulen-missachten-Vorschriften-bei-Videoueberwachung.html
[8]http://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Wismar/Videokameras-an-Schulen
[9]http://mobil.radiohamburg.de/Nachrichten/Hamburg-aktuell/Hamburg-regional/2011/Oktober/Hier-wird-gefilmt-Videoueberwachung-an-Schulen
[10]http:http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Aerger-um-Videoueberwachung-an-Schulen-id32183997.html
[11]http://www.rp-online.de/nrw/staedte/korschenbroich/videoueberwachung-fuer-schulen-aid-1.665206#
[12]http://www.news4teachers.de/2012/02/streit-um-kameras-uberwachung-jetzt-schon-auf-dem-schulklo/
[13]http://www.fr-online.de/rhein-main/videoueberwachung-sch ule-schueler-auf-toilette-mit-kamera-ueberwacht,1472796,22354632.html

[Bild: Simon Kaiser]