Montag, 11. September 2017

Alle Wege der FSM-Lateiner führen nach Rom

Reisebericht der Romfahrt

 

„Und wenn ihr dann in der 11. Klasse nach Rom fahren werdet... Das ist ja gar nicht mehr so lange hin. Dann werdet ihr all das mit euren eigenen Augen sehen. Das geht schneller als ihr denkt.“ Das war in der 6. Klasse, als wir gerade begonnen hatten, Latein zu lernen. Wir dachten, der spinnt doch, der redet die ganze Zeit von dieser Romfahrt, das dauert doch noch ewig. Doch Herr Tohermes, unser damaliger Lateinlehrer, sollte Recht behalten.
Damit sich Herr Tohermes im Ruhestand nicht zu sehr langweilt, ist er mit uns in die Stadt gefahren, von der er immer so geschwärmt hat.
So machten sich also am 6. Juli 38 Lateinschüler  auf den Weg in die ewige Stadt. Nach der Busfahrt zum Flughafen Köln/Bonn, den üblichen Sicherheitskontrollen und genügend Wartezeit bestieg dieser etwas chaotische Haufen Schüler also gegen 13:30 Uhr den Airbus und landete anderthalb Stunden später in Rom.
Die Hitze, die uns traf, als wir den ersten Schritt aus dem Flughafen nach draußen machten, traf uns wie ein Schlag ins Gesicht. Doch im Nachhinein hatten sich alle relativ schnell an die Temperaturen (ca. 36°C-40°C im Schatten) gewöhnt. Im Schatten warteten wir dann auf den Bus, der uns durch den zähen Verkehr Roms direkt zu unserer Unterkunft brachte.
Diese Unterkunft liegt mitten in der Altstadt und ist an ein Kloster angegliedert. Wir hatten das Glück, in dem frisch renovierten Trakt des Gebäudes unterzukommen. Die 2-, 3-, und 4-Bettzimmer waren einfach aber ausreichend und mit Ventilatoren ausgestattet. Außerdem hatten sie jeweils ein eigenes Bad.  Der einzige Programmpunkt, der am Tag der Anreise verblieb, war ein kleiner Orientierungs-Rundgang in der nahen Umgebung. Der Abend war, wie jeden Tag, frei und wir machten uns daran mit Englisch und Latein italienische Speisekarten zu entziffern.
Am nächten Morgen ging es nach einer kalten Dusche und dem, für Italien typischen, einfachen Frühstück, zum ersten Programmpunkt. Nach nur 10 Minuten standen wir vor dem weltberühmten Pantheon. Der römische Tempel war allen Göttern geweiht. Nach 2000 Jahren ist das Pantheon zwar nicht mehr ganz so prachtvoll wie damals, aber das mächtige Bauwerk mit einem ehemals vergoldeten Dach und einer Kuppel, die einen Durchmesser von 43m hat, imponiert noch heute. Im Laufe der Jahrhunderte ist es dem Papst geschenkt worden und ist heute eine Kirche.
Nach dem Besuch des Pantheons gingen wir zum wenige Minuten entfernten Trevi-Brunnen. Trotz der mittlerweile einsetzenden Mittagshitze (es war erst 11:30 Uhr) wurden, unter den strengen Augen der Polizisten (oder Bademeistern?) viele Fotos vor dem antiken Brunnen gemacht.
Im Vorbereitung auf die Fahrt haben wir uns in Kleingruppen mit je einem Thema bzw. einem Bauwerk beschäftigt, zu dem wir vor Ort etwas vortrugen. Unsere Lehrer ergänzten die Mini-Referate, wussten auf jede Rückfrage eine Antwort und hatten immer eine Anekdote bereit. Vorbei am Sitz des italienischen Präsidenten ging es zur Spanischen Treppe, auf der eine Sitzpause fällig war.
Zum Mittagessen versorgten sich die meisten selbst aus dem Supermarkt neben der Unterkunft oder suchten einen kleinen Take-Away-Laden für Pizza und Co auf.
Nach der Siesta liefen wir um 15:00 auf den Kapitolinischen Hügel. Dort besichtigten wir die große Basilika, in der das Grab der heiligen Hellena ist und gingen danach zum Kapitol, vor dem das große Reiterstandbild steht.
Überall wo wir waren, machten uns unsere Lehrer auf kleine Besonderheiten aufmerksam, erklärten uns Hintergründe und allgemeine historische und architektonische Gegebenheiten. Nach dem Kapitol besichtigten wir spontan  eine der vielen Kirchen, die auf dem Weg lag und besuchten zuletzt die Tiberinsel.
Das berühmte Forum Romanum stand für den Samstag Vormittag auf dem Programm. Es erzählt uns viel über den Werdegang Roms und war zunächst Marktplatz für den Handel der Bewohner der sieben Hügel Roms, um danach als politisches Zentrum und Aushängeschild des Römischen Imperiums seine Hochzeit zu erleben und schließlich zu einer Kuhwiese zu verfallen. Zum Glück wurde es aber wieder freigelegt und ist heute ein riesiges Museum, auf dem es aber leider kaum Schatten gibt. Vorbei an Tempeln und Triumphbögen bestiegen wir den Palatin, auf dem früher die römischen Kaiser ihre Paläste bauten.
Nur mit viel Überredungskunst unserer Lehrer erhielten wir von den Mitarbeitern die Erlaubnis am Nachmittag das Kolloseum zu betreten. Anschließend ging es zu  einer kurzen Pause in unsere Unterkunft. Um 17:00 Uhr besuchten wir die Kirche „Il Jesue“ des Jesuitenordens.
Am nächsten Tag besuchten wir den berühmten Petersdom. Die größte Kirche der Welt erreichten wir nach ca. 30 min. in der Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle. Zu meiner Enttäuschung war die imposante Kirche mit respektlosen Touristen überlaufen, was nicht nur die Führung von Herrn Tohermes erschwerte, sondern auch  die Stimmung in diesem  barocken Bauwerk zerstörte. Für den Gottesdienst, der während der ganzen Zeit im vorderen Teil des Doms lief, ist so eine immerwährende Touristenhorde bestimmt auch nicht förderlich. Nachdem wir uns also im Dom umgeschaut hatten, konnten wir die riesige Kuppel besteigen, die über die ganze Stadt ragt. Der Ausblick, der sich uns nach etlichen Treppenstufen bot, war überwältigend: Man hatte sowohl den Petersplatz als auch die Vatikanischen Gärten im Blick und konnte bis zu den Stadtgrenzen blicken.
Die anschließende Busfahrt, die auf eine halbe Stunde angesetzt war und letztendlich mehr als anderthalb Stunden dauerte, glich in den überfüllten heißen Bussen einer Odyssee. Um 16:30 kamen wir an den alten Katakomben vor den Toren der Stadt an.  Dort erhielten wir wie fast überall eine kleine Einführung in das Thema und bekamen anschließend eine deutsche Führung unten in den Katakomben.  Den Rückweg mussten wir nach "Jahre langer Friedensschul-Tradition" laufend antreten, was der Hitze geschuldet sehr anstrengend war, sich aber als nicht so schlimm herausstellte.
Der nächste und letzte volle Tag war ganz den Anfängen der katholischen Geschichte in Rom gewidmet. Wir besuchten die Lateranbasilika, die von Kaiser Constantin gebaut wurde, gingen zur heiligen Treppe und dem Baptisterium. Am Nachmittag besuchten wir die Engelsburg, die mit dem Petersdom verbunden ist und eine lange und abwechslungsreiche Geschichte hat. Den letzten Abend in Rom haben natürlich alle genossen. Viele gingen in eines von zahlreichen günstigen Restaurants.
Nachdem wir am Morgen unsere Koffer gepackt und in den Gepäckraum verstaut hatten, hatten wir noch ein letztes Mal Freizeit in der ewigen Stadt.  Am Flughafen wiederholte sich dann das ewige Anstehen beim Check In, Sicherheitskontrollen und Boarding.
Der Landeanflug in Köln war ein kleiner Schock für uns. In nur einer Woche hatte man sich sehr gut an die hohen Temperaturen und einen immer wolkenfreien Himmel gewöhnt. Doch, sobald die Maschine zum Landeanflug ansetzte, gab es Turbulenzen und ein kalt-nasses Wetter erwartete uns in Deutschland. Typisch.
Und mit einer Busfahrt zurück zur FSM endete diese erlebnisreiche Fahrt und die Sommerferien waren nur noch einen Steinwurf entfernt.

Alles in allem muss ich sagen, dass mir diese Fahrt sehr gut gefallen hat. Wir haben unglaublich viele Orte besucht und einen sehr guten Eindruck von Rom und einen umfassenden Einblick in die Vergangenheit bekommen. Freie Zeit, um die Stadt selbst zu erkunden und Programmpunkte waren gut ausbalanciert und die Lehrer konnten uns mit ihrer langen Erfahrung an Romfahrten ein tolles Erlebnis bieten. All die Jahre anstrengenden Lateinunterrichts haben sich meiner Meinung nach gelohnt. Und Herr Tohermes hat Recht behalten: Die Zeit bis zur Romfahrt verging wirklich viel schneller, als wir dachten.

Simon Kaiser