Sonntag, 27. Mai 2018

SV – Ist das vertretbar?


Wie kann man als Schüler seine Interessen innerhalb der Schule wirksam vertreten und umsetzen?

 

Ganz klar durch die Schülervertretung! Denn diese ist dafür zuständig, die Schüler zu vertreten, wie auch schon der Name zeigt.
Auf Wikipedia steht dazu Folgendes:

„Die Schülervertretung (kurz SV), teilweise auch Schülermitverantwortung, historisch auch Schülermitverwaltung (jeweils kurz SMV), ist ein Organ, in dem Schüler ihre Schulen und das Schulwesen mitgestalten können. Dabei vertreten sie vorrangig die Interessen ihrer Mitschüler."

Das heißt zum Beispiel: Ein Schüler hat eine Idee, wie man den Schultag (noch :D) angenehmer gestalten könnte. Er trägt diese der Schülervertretung vor und diese tut ihr Bestes, um diese Idee zu realisieren - vorausgesetzt, sie wird für sinnvoll befunden und sie ist auch umsetzbar.
Grundsätzlich ist an dem nichts auszusetzen. Im Gegenteil. Doch es gibt meiner Meinung nach zwei Probleme: „tut ihr Bestes" und „sie ist umsetzbar".
Was ist, wenn eine Idee angeblich nicht umsetzbar ist, wenn „das Beste tun" nicht reicht? Und kann bei Wünschen, die über „Salzstreuer an der Essensausgabe" hinaus gehen, von der Seite der Schulleitung einfach gesagt werden: „Nicht möglich und Ende der Diskussion"? Selbst wenn die vorgeschlagenen Ideen mehr als sinnvoll sind?

Ich werde belegen, dass genau das bei uns an der Schule passiert. Ich möchte dabei weder der SV irgendetwas unterstellen, noch das Unmögliche einfordern. Ich glaube ganz einfach, dass die SV von der Schulleitung nicht die Möglichkeiten bekommt, an der Schule wirklich etwas zu verändern. Die Schulleitung wird an diesem Punkt erwidern, dass das ja auch einen guten Grund hat. Man kann ja nicht einfach Schüler bestimmen lassen, ob und wie Projekte realisiert werden und wie nicht.

Hierzu sollte ich ein Beispiel vorstellen, das an unserer Schule so passiert ist:
Ein Schüler bat bei der SV um eine Rampe, die über den Bordstein führen sollte, den die fahrradfahrenden Schüler früher täglich überqueren mussten. Eine Rampe hätte dann diesen Schülern den Schulweg erheblich erleichtert. Aber als die SV diesen Vorschlag der Schulleitung vortrug, kamen unschlüssige, zuteilst irrsinnige Argumente zurück: Man brauche dafür eine Baugenehmigung, es sei nicht genug Geld da, die Schüler würden so zu schnell in das Parkplatzgelände rollen und sich selbst gefährden... . Auch als die SV sich ein zweites Mal informierte, kommt eine klare Antwort: "Wenn das von den Lehrern und der Schulleitung so entschieden wird, dann kann man da nichts machen."


Eine ärgerliche, auf ihre eigene Weise amüsante Situation. Doch ein wichtiger Teil der Geschichte fehlt noch:
Vier Wochen später wird ohne Ankündigung eine asphaltierte Rampe gebaut, die das Befahren des Schulgeländes ohne Bordstein ermöglicht.
Warum wird bei einer Nachfrage erst einmal abweisend reagiert, ja werden sogar Argumente genutzt, die in einer Deutscharbeit bestenfalls eine "4" hervorbringen würden? Warum wird den Schülern bei einer Nachfrage, ob so etwas möglich sei, gesagt: „Nein, ist nicht möglich. Ende der Diskussion.", wenn sich dann doch vier Wochen später zeigt, dass es nicht nur möglich, sondern auch umsetzbar ist? Warum?

Nein, man kann nicht einfach alles umsetzen, was die Schüler sich wünschen. Aber man könnte wenigstens darüber nachdenken, anstatt direkt alles abzuweisen! Man könnte ernsthaft in Erwägung ziehen, die Schüler mitbestimmen zu lassen! Man könnte etwas, das sich verändern lässt, auch wirklich verändern und vor allen Dingen könnte man aufhören, die Wahrheit zu untergraben, nur um sich Arbeit und Auseinandersetzung mit Jugendlichen zu ersparen, die offensichtlich am Wohlergehen der Schulgemeinschaft interessiert sind! Die Schulleitung hätte damals mit den Schülern ins Gesp räch kommen und Kompromisse finden können. Warum ist das nicht passiert, wenn Wochen später eine Rampe, unabhängig von der zuvor geführten Debatte, gebaut wird?

Natürlich könnte man behaupten, dass jetzt alles gut sei, da wir ja unsere Rampe haben. Es geht hier aber nicht nur um eine banale Rampe, sondern darum, wie seitens der Schulleitung mit Schülerwünschen und Vorschlägen umgegangen wird.

Das war nur ein Beispiel. Vielleicht kann ja jemand andere Beispiele nennen, bei denen die Kommunikation besser verlief und bei denen gute Ergebnisse entstanden sind. Ich persönlich kenne allerdings keine. Genauso erging es den anderen Schülern, mit denen ich darüber gesprochen habe. Das Einzige, was bei den Schülern und Schülerinnen von der Arbeit der SV ankommt, sind Turniere, Nikolaus-Aktionen, Valentinstags-Aktionen und die durch eben diese Aktionen finanzierten SV-Pullis. Versteht mich hier bitte nicht falsch: All das Genannte (die SV-Pullis ausgeschlossen) trägt zu der Schulgemeinschaft bei und lockert den Schultag auf. Keine Frage. Genauso ist es aber auch keine Frage, dass all diese Dinge den propagierten Aufgaben der SV, die Schüler zu vertreten, nicht gerecht werden. Die Frage hierbei ist dann nur noch, wie viel die SV dafür kann.
Das Einzige, wo die SV wirklich regelmäßig Mitsprache hat, sind Abstimmungen über Dinge wie zum Beispiel die Handy-Regelung in der Schulkonferenz. Aber stellt euch bitte die Frage, wie viel Einfluss die SV dort wirklich hat und inwiefern dieses bisschen wirklich etwas verändern kann.

Meine Einstellung zur Situation, in der wir uns befinden, kann zwei Gründe haben: Entweder habe ich einen vollkommen falschen Eindruck, entstanden durch Missverständnisse und schlechte Recherche, oder ich habe ein Recht in dem Punkt, dass die Schülervertretung der FSM ihrer Aufgabe, die Schüler zu vertreten, nicht in genügendem Maße nachkommt und nachkommen kann.

Es ist egal, was zutrifft, denn es muss sich etwas ändern: Entweder müssen Vorschläge von Schülerseite ernst genommen werden - oder es muss besser kommuniziert werden, dass genau das passiert. Es müssen Wege geschaffen werden, auf denen Schüler tatsächlich die Möglichkeit haben, sich in den Schultag einzubringen - oder es muss für Schüler erkenntlich gemacht werden, dass diese Wege bereits existieren und wie sie genutzt werden können. Denn am Ende bleibt für uns nur eine Frage:

Wie kann man als Schüler seine Interessen wirksam vertreten und umsetzten?



PS: Nochmals: die SV besteht aus engagierten Schülern, die sich am Schulleben beteiligen wollen und davor habe ich mehr als Respekt. Ich persönlich halte es aber für nicht vertretbar, zu propagieren, die SV vertrete die Schüler. Denn selbst, wenn das so ist, bekomme nicht nur ich davon nichts mit.

PPS: Die Pax An würde sich freuen, in naher Zukunft eine Antwort der Schulleitung / der Schülervertretung zu veröffentlichen, die dann hoffentlich einiges richtig stellt oder vermittelt, was konkret getan wird, um oben genannte Probleme zu beseitigen.

Niklas Dunschen